Diskussionsinhalte
Im Zentrum der Fachtagung standen drei Diskussionsblöcke, die thematisch an die jeweiligen vorangegangen Präsentationen anknüpften. Zu Beginn wurden die entwicklungspolitischen Ambitionen einem regulatorischen Realitätscheck unterzogen. In Themenblock 2 wurden neue Plattform- und Transfertechnologien via Handy und Internet unter entwicklungspolitischen Gesichtspunkten betrachtet. Im abschließenden Themenblock 3 stand die Rolle der Diaspora, ihre Potentiale und Grenzen im Vordergrund. Bitte entnehmen Sie der folgenden Darsetllung eine etwas genauere Beschreibung der Inhalte:
Diskussion - Ambitionen vs. regulatorische Realität
Die wichtigsten Punkte der anschließenden Diskussion lassen sich wie folgt zusammenfassen:
- Umfang und Notwendigkeit der Identifikationspflichten – Ein unüberbrückbares Dilemma zwischen Aufsichts-/ Sicherheits- und Entwicklungspolitik?
- Die Einführung von proportionalen KYC-Regularien bzw. „Bagatellgrenzen“ für kleinste Rücküberweisungsbeträge, dadurch ein höherer (Erst-)Anreiz, formelle Kanäle zu nutzen
- Der Gesetzgebungsprozess und die unzureichende Kohärenz der verschiedenen politischen Felder Entwicklungspolitik, Finanzpolitik und Sicherheits-/Innenpolitik
- Unterschiede bei Flexibilität und Umsetzung der europäischen Regelungen in nationales (Aufsichts-)Recht
- Die zentralen Risiken für die Finanzdienstleister: rechtlich-regulatorische Risiken (zero tolerance), operationale Risiken sowie die Gefahr des Image-/Reputationsverlusts
- Wege zur stärkeren Einbindung der Diaspora
Diskussion - den Bedarf richtig nutzen
Die wichtigsten Punkte der anschließenden Diskussion lassen sich wie folgt zusammenfassen:
- Notwendigkeit von Maßnahmen zur Stärkung des Wettbewerbs, um Gebührendruck zu erhöhen (vgl. Telekommunikationsbranche) – Fördert oder hindert die (neue) europäische Gesetzgebung den Wettbewerb?
- Die erste Meile“ – Warum nutzen die Sender immer noch vielfach informelle Kanäle? Diskutiert wurde die Bedeutung der Financial Literacy und Vertriebsmöglichkeiten innerhalb der Diaspora.
- „Die letzte Meile“ – Wie kommen die Rücküberweisungen in den ländlichen Raum? Diskutierte Varianten sind Mobile Banking, Distributionsnetzwerke mit Postorganisationen, Kleinbanken und ländlichen Spargemeinschaften.
- Der grenzübergreifende Austausch von transaktionsbezogenen Informationen muss differenziert werden von den komplexen internationalen Verrechnungsprozeduren (Clearing/ Settlement), daher kommt der Finanzsektorentwicklung im Empfängerland eine immense Bedeutung zu.
Diskussion - Offene Kontroverse, nächste Schritte
Die wichtigsten Punkte der anschließenden Diskussion lassen sich wie folgt zusammenfassen:
- Vertiefte Diskussion von erleichterten Melde- und Identifikationspflichten im Zahlungsverkehr
- Partnerschaften und entwicklungspolitische Motivation der Diaspora
- Die dringende Notwendigkeit, neben entwicklungspolitisch motivierten „Think-Tanks“ auch mutig in die aktive Umsetzung überzugehen („Think & Do Tanks“)
- Mangelnde Möglichkeiten der Diaspora zur Steuerung und Kontrolle der Verwendung der Transferzahlungen im Heimatland, die Notwendigkeit von speziellen Finanzprodukten im Sender- und Empfängerland, die Eigenverantwortung und –initiative stärken
- Finanzielle Grenzen des Beitrags der Diaspora – die doppelte Last durch aktive Hilfe verringern
- Public Private Partnerships und aktuelle Förderungsmöglichkeiten/ Fazilitäten seitens BMZ und IFAD
Zusammenfassende Abschlussbemerkungen
- Die Vertreter der kenianischen und ghanaischen Diaspora fordern eine stärkere Unterstützung durch ihre Regierungen und verbesserte Zusammenarbeit mit den entwicklungspolitisch engagierten Organisationen. Nur so sei die doppelte Last – Lebenshaltung in Deutschland und Unterstützung der Nächsten im Ursprungsland – dauerhaft aufrechtzuerhalten. Ein Fokus solle hierbei auf Maßnahmen zur Stärkung der Eigenverantwortung und Selbstentfaltungskraft im Heimatland liegen, z.B. im Sinne von Kleinkrediten und KMU-Förderungen.
- Die zusammenfassende Darstellung von Professor Breidenbach brachte eine wesentliche Erkenntnis der Veranstaltung gut auf den Punkt: Politische Einflussnahme und Regulation spielen sowohl bei Zahlungs- als auch bei Wissensströmen eine wesentliche Rolle. Eine stärkere Zusammenarbeit und Kohärenz zwischen Finanz-, Sicherheits- und Innenpolitik müsse folglich ein Ziel sein – eine Aufgabe, die Frau Kortmann aktiv aufgriff.
- Sowohl Vertreter der Banken als auch der Entwicklungsorganisationen betonten, dass in der aktuellen Diskussion um innovative Lösungen leichthin nur von Informationsströmen die Rede sei, dabei aber die komplexen Prozesse des Interbanken-Clearings/ Settlement nicht vergessen werden dürften. Insofern wurde das BMZ/GTZ aufgefordert, Aktivitäten im Kontext Rücküberweisungen wieder stärker mit Finanzsektorentwicklung im Empfängerland zu verbinden. Nur so sei eine effektive Einbindung der Empfängerländer und eine nachhaltige Stärkung des Finanzsektors möglich.
Die zeichnerische Visualisierung der Veranstaltung entstand unter der Hand von Kirsten Reinhold von den Kommunikationslotsen Associated Facilitators.









